Juan Carmona

Critics

Eine neue Stimme der Flamenco-Gitarre

Juan Carmona wurde in Lyon als Sohn einer französisch-spanische Roma-Familie geboren. Im Alter von zehn Jahren entdeckte er die Gitarre, als sein Vater ihm sein erstes Instrument schenkte. Von diesem Moment an wurde die Gitarre zur Sprache, durch die er seine Wurzeln, seine Identität und die grenzenlosen Möglichkeiten des Flamenco erkunden sollte.

Seine künstlerische Laufbahn führte ihn schließlich von Frankreich nach Jerez de la Frontera, ins Herz des andalusischen Flamenco und in die Heimat seiner Vorfahren. Neun Jahre lang tauchte Carmona tief in die Tradition ein, lernte durch unmittelbare Erfahrung und teilte Bühne und Studio mit einigen der großen Persönlichkeiten des Flamenco, darunter Joaquín Grilo, Agujetas, Duquende, Antonio Canales und Chano Domínguez.

Jerez wurde zu einem entscheidenden Kapitel seiner künstlerischen Entwicklung. Dort nahm er die Rhythmen, die Sprache und den Geist des traditionellen Flamenco in sich auf und begann zugleich, seine eigene unverwechselbare Stimme zu entwickeln. Sein Talent wurde bald auch international anerkannt – unter anderem durch den Internationalen Gitarrenwettbewerb von Jerez, eine Auszeichnung beim Wettbewerb von Córdoba sowie den renommierten Paco-de-Lucía-Preis.

Nach seiner Rückkehr nach Frankreich im Jahr 1996 begann Carmona, neue musikalische Gebiete zu erkunden. Seine Neugier führte ihn zu Kooperationen mit Künstlern aus Jazz, Weltmusik und anderen musikalischen Traditionen, darunter Sylvain Luc, Larry Coryell, Marcus Miller, Jan Garbarek, Trilok Gurtu, L. Subramaniam, Mino Cinélu und Al Di Meola.

Diese Begegnungen erweiterten sein musikalisches Vokabular, ohne ihn jemals von seinen Flamenco-Wurzeln zu entfernen. Seine Gitarre wurde zu einem Treffpunkt zwischen Andalusien, dem Mittelmeerraum, Nordafrika, dem Jazz und der internationalen Musikwelt.

Tradition als Ausgangspunkt

Für Juan Carmona ist Flamenco keine unveränderliche Tradition, sondern eine lebendige Sprache – eine Sprache, die sich weiterentwickeln kann und dennoch mit ihren Ursprüngen verbunden bleibt.

Seine Musik ist tief in der rhythmischen Kraft des Flamenco verwurzelt und zugleich von einer anspruchsvollen harmonischen Sprache sowie einer Offenheit gegenüber orchestralen und zeitgenössischen Einflüssen geprägt. Wenn er eine Falseta komponiert, hört er nicht nur die sechs Saiten seiner Gitarre. Er hört ein ganzes Orchester.

Diese Vision führte ihn dazu, eine neue Dimension für die Flamenco-Gitarre zu erforschen: den Dialog zwischen der intimen Sprache des Soloinstruments und den weitreichenden Möglichkeiten eines Sinfonieorchesters.

Sinfonia Flamenca

Sinfonia Flamenca ist das Ergebnis dieser künstlerischen Suche.

Das Werk bringt zwei musikalische Welten zusammen, die traditionell durch ihre unterschiedlichen Formen der Überlieferung voneinander getrennt sind: die mündliche Tradition des Flamenco und die schriftlich überlieferte Sprache der klassischen Musik.

Carmona schafft einen Dialog zwischen Flamenco, andalusischen und orientalischen Einflüssen sowie den Klangfarben des Sinfonieorchesters. Die Gitarre bleibt im Zentrum der Musik, tritt jedoch in eine größere architektonische Struktur aus Streichern, Bläsern, Schlagwerk, Stimme und Tanz ein.

Das Werk bewegt sich zwischen intimem Lyrismus und rhythmischer Intensität, zwischen Melancholie und Feier. Von der meditativen Atmosphäre von Django über Hierbecita, das Paco de Lucía gewidmet ist, bis hin zur fröhlichen La Isla de León und dem brillanten Punto Cubano präsentiert Sinfonia Flamenca den Flamenco als eine sich ständig weiterentwickelnde orchestrale Sprache.

Carmona entwickelte die orchestrale Dimension des Werkes in Zusammenarbeit mit Rachid Regragui, dem Leiter des Orchesters der Königlichen Garde Marokkos und einem Experten sowohl für traditionelle als auch für klassische Repertoires.

Seit seiner Uraufführung wurde Sinfonia Flamenca von mehr als zwanzig renommierten Orchestern weltweit aufgeführt, darunter das Sydney Symphony Orchestra, das Saint Louis Symphony Orchestra, die Russian Philharmonic, das City Chamber Orchestra of Hong Kong und das Orchestre National de Lyon.

Ein lebendiges Erbe

Juan Carmonas künstlerischer Weg ist eine Geschichte von Verwurzelung und Wandel.

Von Lyon nach Jerez, von der intimen Welt des Flamenco zu internationalen Bühnen und sinfonischen Konzertsälen – seine Musik spiegelt die kontinuierliche Suche nach einem Dialog zwischen Kulturen, Generationen und musikalischen Traditionen wider.

Er versucht nicht, die Vergangenheit zu reproduzieren. Er trägt ihr Wesen in die Zukunft.

Seine Gitarre spricht durch Erinnerung, Zuhören, Instinkt und Leidenschaft. Sie bewahrt die emotionale Kraft des Flamenco und öffnet ihn zugleich für neue Klänge, neue Formen und neue Zuhörer.

Heute zählt Juan Carmona zu den herausragenden Gitarristen und Komponisten seiner Generation. Er erweitert weiterhin die Horizonte des Flamenco und bleibt dabei tief mit seinen Ursprüngen verbunden.

Juan Carmona Septett

Sinfonia Flamenca — Live-Ensemble

Die Septett-Besetzung bringt die wesentliche musikalische Identität von Sinfonia Flamenca auf die Bühne und verbindet Carmonas Flamenco-Gitarre mit Flöte, Schlagwerk, Bass, Gesang und Tanz. Gemeinsam mit einem eingeladenen Sinfonieorchester erweitert das Ensemble das Werk zu seiner vollständigen orchestralen Dimension.

Juan Carmona
Komposition & Solo-Gitarre

Domingo Patricio
Flöte

Isidro Suárez
Schlagwerk

Sergio Di Finizio
Bassgitarre

Gastkünstler
Gesang & Tanz

Gast-Sinfonieorchester
Mit Gastdirigent

Juan Carmonas Musik wurde mit führenden Orchestern und Ensembles in Europa, Asien, Australien, Afrika und Amerika aufgeführt und bringt die Sprache des Flamenco in einen Dialog mit der sinfonischen Tradition.

Internationale Orchester

  • Sydney Symphony Orchestra — Australien
    Dirigent: David Robertson
  • Bursa Regional State Symphony Orchestra — Türkei
    Dirigent: Alessandro Cedrone
  • City Chamber Orchestra of Hong Kong — Hongkong
    Dirigent: Chang Yin Fang
  • National Taiwan Symphony Orchestra — Taiwan
    Dirigent: Chang Yin Fang
  • Saint Louis Symphony Orchestra — USA
    Dirigent: David Robertson
  • Moscow Philharmonic Orchestra — Russland
    Dirigent: Alexey Shatskiy
  • Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt / Brandenburg Philharmonic Orchestra — Deutschland
    Dirigent: Victor Pühl
  • Danubian Symphony Orchestra — Ungarn
    Dirigent: Péter Ács
  • Norwegian Radio Orchestra — Norwegen
    Dirigent: Dominique Debart
  • Bulgarian Symphony Orchestra — Bulgarien
    Dirigent: Dominique Debart

Frankreich & Mittelmeerraum

  • Orchestre National de Lyon — Frankreich
    Dirigent: Jun Märkl
  • Orchestre de Rabat — Marokko
    Dirigent: Rachid Regragui
  • Orchestre Régional Avignon-Provence — Frankreich
    Dirigenten: Samuel Jean / François-Xavier Bilger
  • Orchestre de Basse-Normandie — Frankreich
    Dirigent: Dominique Debart
  • Orchestre Symphonique de Tunis — Tunesien
    Dirigent: Ahmed Achour
  • Orchestre de l’Opéra de Toulon — Frankreich
    Dirigent: Mark Foster
  • Orchestre de Bretagne — Frankreich
    Dirigent: Stephan Sanderling
  • Orchestre de l’Opéra de Marseille — Frankreich
    Dirigent: Mark Foster
  • Orchestre de l’Opéra de Lyon — Frankreich
    Dirigent: Miguel Pérez Iñesta
  • Orchestre Divertimento — Frankreich
    Dirigentin: Zahia Ziouani
  • Orchestre du Conservatoire de Montpellier — Frankreich
    Dirigent: Patrick Pouget

Flamenco ohne Grenzen

Sinfonia Flamenca ist als Begegnungsort konzipiert: zwischen schriftlicher und mündlicher Tradition, zwischen Flamenco und klassischer Musik, zwischen Andalusien und dem weiteren mediterranen Kulturraum.

Im Zentrum steht die Flamenco-Gitarre – nicht lediglich als Begleitinstrument, sondern als Protagonistin, Komponistin und Brücke zwischen den Kulturen.

Tradition als Ausgangspunkt.
Flamenco als lebendige Sprache.
Die Gitarre als Stimme ohne Grenzen.

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